Trendgetränk Cascara – Kaffeekirschen neu entdeckt
Kaffee begleitet uns durch den Tag, ob als morgendlicher Muntermacher, kreative Pause oder gemütlicher Nachmittagskaffee. Doch neben Bohne, Röstung und Zubereitung entwickelt sich ein neuer Trend, der sowohl in Deutschland als auch in den USA an Bedeutung gewinnt: Cascara. Dabei handelt es sich nicht um ein neues Kaffeegetränk per se, sondern vielmehr um die getrocknete Schale der Kaffeekirsche – ein Nebenprodukt der klassischen Bohnenproduktion, das bislang meist ungenutzt blieb. In diesem Beitrag beschäftigen wir uns ausführlich mit Cascara, erklären seine Herkunft, Herstellung, Verwendungsmöglichkeiten sowie gesundheitliche Aspekte und geben Tipps zur Zubereitung. Daneben werfen wir einen Blick auf internationale Entwicklungen und Inspirationen rund um das Getränk.
Was ist Cascara?
Cascara leitet sich vom spanischen Wort „Schale“ oder „Hülle“ ab und bezeichnet die getrocknete Fruchthülle der Kaffeekirsche. Während für die Kaffeeproduktion das Fruchtfleisch entfernt und nur der Kern – also die Bohne – weiterverarbeitet wird, wird bei Cascara genau das Gegenteil gemacht. Die äußere Hülle – das Fruchtfleisch und die Schale – wird getrocknet und für Tee-ähnliche Getränke verwendet. Geschmacklich erinnert Cascara weniger an Kaffee, sondern zeigt fruchtig-süße Noten ähnlich getrockneten Hibiskusblüten, Rosinen oder Hagebutten.
Herkunft und Geschichte
Obwohl Cascara in westlichen Ländern als neuer Trend gilt, wird die getrocknete Kaffeekirsche in den Kaffeeländern des globalen Südens schon lange genutzt. In Äthiopien beispielsweise ist das Getränk unter dem Namen „Qishr“ bekannt und wird traditionell mit Ingwer und Zimt zubereitet. Auch im Jemen haben sich Varianten entwickelt, die teilweise eine religiöse und soziale Bedeutung besitzen. In den USA brachte vor allem die Third Wave Coffee-Bewegung Cascara auf den Schirm bewusster Kaffeetrinkerinnen und -trinker, und heute experimentieren auch deutsche Röstereien und Cafés mit dem spannenden Nebenprodukt.
Wie wird Cascara hergestellt?
Die Herstellung von Cascara beginnt nach der Ernte der Kaffeekirschen. Nach der Trennung von den Bohnen werden die Schalen nicht entsorgt sondern gründlich gewaschen und anschließend sonnen- oder maschinell getrocknet. Dabei ist Hygiene wichtig, denn das Fruchtfleisch kann anfälliger für Mikroorganismen sein als die geröstete Bohne. Je nach Anbaugebiet, Bohne und Verarbeitung unterscheiden sich Geschmack, Farbe und Textur der getrockneten Schalen. Qualitäts-Cascara duftet bereits im trockenen Zustand intensiv nach Frucht, Rosinen, und floralen Noten.
Wie schmeckt Cascara?
Die Geschmacksbeschreibung von Cascara fällt vielen schwer, da es sich geschmacklich deutlich vom klassischen Kaffee unterscheidet. Die häufigsten Aromen umfassen Noten von Datteln, Hagebutte, Hibiskus, Pflaume, schwarzem Tee und Honig. Der Geschmack ist abhängig von der Bohnenart, vom Anbaugebiet (Terroir), von der Fermentation und der Trockenmethode. In Blindverkostungen erinnert Cascara oft eher an einen milden Früchte-Tee als an Kaffee. Der Koffeingehalt ist je nach Sorte zwar niedriger als bei gebrühtem Kaffee, aber dennoch spürbar vorhanden.
Zubereitungsarten von Cascara
Cascara kann auf unterschiedliche Weise aufgegossen werden. Die klassische Zubereitung erinnert an Tee. Drei Methoden haben sich bewährt:
Cascara-Tee heiß aufgebrüht
Hierfür nutzt man ca. 5–8 g Cascara auf 200 ml Wasser. Das Wasser sollte auf etwa 90 °C erhitzt werden und der Aufguss zieht je nach gewünschtem Aroma zwischen 4 und 10 Minuten. Je länger die Ziehzeit, desto intensiver die fruchtigen Aromen.
Cold Brewing mit Cascara
Cascara lässt sich auch kalt aufgießen. Diese Methode eignet sich besonders für warme Tage. Dafür lässt man etwa 10 g Cascara auf 300 ml kaltem Wasser bis zu 12 Stunden im Kühlschrank ziehen. Das Ergebnis ist ein erfrischender, fruchtiger Eistee mit koffeinhaltiger Würze.
Verfeinern mit Gewürzen
Cascara harmoniert hervorragend mit Zimt, Nelken, Vanille, Ingwer und Orangenschale. Besonders in traditionellen Rezepten wie Qishr werden diese Komponenten eingesetzt. Auch die Kombination mit Sprudelwasser für eine prickelnde Version erfreut sich wachsender Beliebtheit.
Gesundheitliche Aspekte
Cascara wird nicht nur wegen seines Geschmacks geschätzt, sondern auch aufgrund seines gesundheitlichen Potenzials. Die getrocknete Kaffeekirsche enthält Antioxidantien, leichte Mengen an Koffein sowie Spurenelemente wie Kalium. In Studien wurden entzündungshemmende Eigenschaften nachgewiesen. Zudem enthält Cascara Triterpene, die möglicherweise eine positive Wirkung auf die Leber entfalten könnten. Dennoch ist Cascara kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und sollte in Maßen genossen werden – insbesondere wegen seines Koffeingehalts.
Cascara in der Gastronomie und Szene
Sowohl in Deutschland als auch in den USA entdeckt die Spezialitätenkaffee-Szene Cascara für sich. In hippen Cafés wird Cascara als Cold Brew verkauft, aber auch Cocktails mit Cascara-Infusionen haben Einzug in Bars gefunden. Amerikanische Third Wave Röstereien wie Blue Bottle Coffee oder Stumptown aus Portland nutzen Cascara als nachhaltiges Highlight. In Deutschland finden sich Experimente bei Berliner Kaffeemanufakturen oder Münchner Third Wave Cafés wie Standl 20.
Nachhaltigkeit: Cascara als Zero-Waste-Produkt
Einer der schönsten Aspekte von Cascara ist seine Nachhaltigkeit. Der Einsatz der Kaffeefruchtschale, die sonst in der Produktion als Abfall entsorgt würde, zeugt von einem Zero-Waste-Ansatz. So können Kaffeebauern neue Einkommensquellen erschließen, da sie zusätzlich zu den Bohnen auch Cascara vermarkten können. Übrigens empfiehlt es sich, beim Kauf auf Bio- und Fair-Trade-Zertifizierungen zu achten, um sowohl Umwelt als auch soziale Verantwortung zu fördern.
Cascara kaufen: Worauf sollte man achten?
Beim Kauf von Cascara sollte man auf Herkunft, Qualität und Verarbeitung achten. Die Schalen sollten weder staubig noch schimmelig riechen und eine einheitliche Struktur aufweisen. Gute Händler geben Auskunft über Erntejahr, Trocknung, Zubereitungsempfehlungen und Laborprüfungen. Eine gute Anlaufstelle für hochwertige Cascara ist z. B. The Barn Coffee Roasters aus Berlin, die eng mit exzellenten Farmen weltweit zusammenarbeiten.
Zukunft von Cascara – Modeerscheinung oder neue Kaffee-Kultur?
Die Zukunft von Cascara sieht vielversprechend aus. Da Nachhaltigkeit, Vielfalt und neue Geschmackserlebnisse zunehmend in den Vordergrund rücken, gewinnt ein Produkt wie Cascara an Attraktivität – insbesondere bei Konsumenten, die mehr über ihr Getränk erfahren und mit neuen Aromen experimentieren möchten. Auch industrielle Getränkehersteller, wie Starbucks, haben zeitweise mit Cascara Limonade experimentiert. Die Kombination aus exotischem Geschmack, Nachhaltigkeit und gesundheitlichem Mehrwert macht Cascara zu einer echten Entdeckung.
Fazit: Cascara als sinnliches Kaffee-Erlebnis
Cascara ist mehr als nur ein Getränk – es ist der Brückenschlag zwischen Tradition und Innovation, zwischen Nachhaltigkeit und Genuss. Ob heiß oder kalt aufgegossen, pur oder mit Gewürzen verfeinert, im Café oder zu Hause – Cascara ermöglicht ein völlig neues Geschmackserlebnis, das gleichermaßen Kaffeeliebhaber, Teetrinker und Gesundheitsbewusste anspricht. Wer auf der Suche nach einem neuen Trendgetränk ist, das gleichzeitig Umwelt und Sensorik berücksichtigt, sollte Cascara eine Chance geben. Die Kaffeekultur entwickelt sich weiter – mit Cascara als vielversprechendem Bestandteil dieses Fortschritts.

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